Turnwelten

Den Alltag sportlich gestalten

Turnwelten

Die Vielfalt des Turnens gestaltet ganz verschiedene Bereiche in den Sportwelten. Wettkämpfe, Bildungsangebote, das soziale Zusammenleben oder die GYMWELT, mit den zahlreichen Angeboten für den Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport eröffnen ganz verschiedene Hinsichten und Lebenswelten im Turnen. Natürlich lassen sich verschiedene Turnwelten auch einem bestimmten Alter (Lebensspanne) zuordnen.

Beim Lebenssportansatz stellt sich die Frage, welche gesundheitsförderlichen und leistungsfördernden Maßnahmen umgesetzt werden können, respektive welche risikoverringernden Rahmenbedingungen gestaltet werden können, um Menschen zu Sport zu motivieren und in ihrer Gesundheit zu stärken.

Der Mensch als Individuum steht im Mittelpunkt, mit dem Ziel, in der Gemeinschaft sein alltägliches Verhalten möglichst gesundheitsförderlich mit Sport zu gestalten. Dazu zählen im primärpräventiven Sinn insbesondere ein gesunder und aktiver Lebensstil, bei dem die Themen Bewegung, Ernährung, Stressabbau oder Regeneration und gesunder Schlaf im Fokus stehen. Wann, welcher Sport sinnvoll ist, richtet sich wiederum an der Lebensspanne und den Angeboten aus.

Verein

Hintergrund und Zielgruppe

In Deutschland wurden 2020 rund 88.000 Sportvereine mit rund 24,3 Millionen aktiven und / oder passiven Mitgliedern gezählt. Die Tendenz ist allerdings sinkend und der sogenannte informelle Sport außerhalb der Vereine ist immer präsenter und beliebter. Im Mittelpunkt dieser Lebenswelt stehen eben jene Mitglieder des jeweiligen Vereins als soziale und gemeinnützige Einrichtung ohne Profitorientierung. Neben ihrem Einfluss in der Zusammensetzung der Gremien und Vorstände tragen sie mit ihren Wünschen und Anforderungen zur Weiterentwicklung des Vereins bei. Darüber hinaus ist diese Lebenswelt durch ihre meist sehr heterogene Altersstruktur geprägt. Insbesondere durch ihr ehrenamtliches Engagement werden viele Vereine geführt und am Leben gehalten. Konkurrenz stellt zudem die Kommerzialisierung des zweiten Gesundheitsmarktes mit aufstrebenden und vermeintlich moderneren Fitness- und (Gesundheits-)Sportangeboten dar – nicht zuletzt auch individualisierbare, digitale Sport- und Bewegungsangebote. Doch neben der hohen Bedeutung für den Sport sind Sportvereine ebenso ein Ort der sozialen Gemeinschaft.

Herausforderungen & Besonderheiten

  • Ort der Gemeinschaft und des sozialen Miteinanders

  • Schwierigkeiten in der Gewinnung ehrenamtlich Mitarbeitender

  • Steigende Kommerzialisierung in der und Fitness- und Gesundheitswirtschaft

  • Schwindende Mitgliederzahlen, finanzielle Schwierigkeiten

  • Oftmals fehlende Sportstätten, marode bauliche Voraussetzungen und fehlende Trainingszeiten zum richtigen Zeitpunkt 


 

Gesundes Altern

Hintergrund und Zielgruppe

Gesundheit im Alter ist für jede Einzelne und jeden Einzelnen, aber auch für die gesamte Gesellschaft von großer Bedeutung. Obwohl im Alter gesundheitliche Probleme und Beschwerden zunehmen, ist das Alter nicht gleichbedeutend mit Krankheit, Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit. Individueller Lebensstil, persönliche Ressourcen, die soziale Integration und die medizinische Betreuung beeinflussen den Gesundheitszustand, die Lebensqualität und das Wohlbefinden.

Zwei Trends werden die Bevölkerung Deutschlands verändern. Erstens lautet die erfreuliche Nachricht hinter dem oftmals problematisch beschriebenen demografischen Wandel: Die Menschen gewinnen Lebenszeit. Zwischen 1991/93 und 2022/2024 ist die Lebenserwartung bei Geburt für Männer um knapp sechs Jahre (auf 78,5 Jahre) und für Frauen um etwa vier Jahre (auf 83,2 Jahre) gestiegen. Zweitens ist die Geburtenrate insbesondere Mitte der 1960er Jahre bis Mitte der 1970er Jahre steil abgefallen. Zwischen 2011 und 2016 konnte zwar ein leichter Anstieg beobachtet werden, doch zuletzt ist die Geburtenrate wieder gesunken. Die Bevölkerung würde ohne Nettozuwanderung seit Langem schrumpfen, da seit dem Jahr 1972 die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen jedes Jahr übersteigt.

Herausforderung & Besonderheiten

  • psychosoziale Gesundheit erhalten, fördern oder wiederherstellen

  • Verbesserung des Ernährungsangebotes, Mangelernährung vermeiden

  • Gesundheitsförderung

  • Steigerung der körperlichen Aktivität mit altersgerechte Angeboten

  • Seniorenfreizeiten


 

Familie

Hintergrund und Zielgruppe

Die Lebenswelt der Familie zeigt eine enge Verbindung mit anderen Lebenswelten und deckt die Lebensspanne in verschiedenen Rollen ab – als Sohn oder Tochter, Bruder oder Schwester oder als Elternteil. Insbesondere zeigt sich eine enge Verbindung zur Lebenswelt Kommune, in der oft Zuständigkeiten und Angebote für Familien zu finden sind. Damit auch sozioökonomisch schwächer gestellte Personen davon partizipieren, ist auf ein möglichst niedrigschwelliges Angebot zu achten. Neben konkreten Angeboten durch die Kommune bieten weitere Netzwerke und Plattformen professionelle Unterstützung zur familienbezogenen Gesundheitsförderung und Prävention. Erste Anlaufstellen sind hier aber zumeist die Sportvereine. Besonders werdende und junge Familien zeigen sich in ihrer Lebenssituation sehr aufgeschlossen gegenüber Themen der Sport- und Gesundheitsförderung. Demgegenüber sind Alleinerziehende oftmals in einer herausfordernderen Lage.
Dass die Familie eng mit weiteren Lebenswelten in Verbindung steht, veranschaulicht das Setting Kita, Schule oder Betrieb. Hierbei werden nicht nur Kinder mit ungünstigeren Gesundheitschancen erreicht, sondern ebenso können Gespräche und Projekte einen wertvollen Einfluss auf die gesundheitlichen Rahmenbedingungen in den Familien erzielen.

Herausforderungen & Besonderheitem

  • Enge Verzahnung zu weiteren Lebenswelten

  • Komplexe und heterogenes Familienumfeld und -situationen: sozio-ökonomische, bildungsmäßige, interkulturelle oder religiöse Aspekte sind zu berücksichtigen

  • Alleinerziehende häufig durch sozioökonomisch Lage als besonders vulnerable Zielgruppe

  • Umgang mit gesundheitlichen Themen in der Kindheit prägt weiteren Lebensstil, hohes Adaptionsverhalten des Lebensstils der Eltern ist nachweisbar

  • Erreichbarkeit und Verfügbarkeit der Angebote anderer Lebenswelten und deren Gestaltung in gesundheitlicher Hinsicht (u.a. Kita, Schule oder Beruf)


 

Kindertagesstätte (KITA)

Hintergrund und Zielgruppe

In erster Linie stehen in der Kita natürlich die Kinder im Mittelpunkt, die noch wesentliche weitere Entwicklungsschritte durchleben und sich demnach auch grundlegende Einstellungen in Bezug auf Bewegung, Ernährung oder Entspannung aneignen werden. Natürlich muss dies im engen Austausch mit der Lebenswelt Familie geschehen. Schließlich sind Kitas auch Arbeitgeber, bei denen die Gesundheit der Erzieherinnen und Erzieher einbezogen werden muss, auch in ihrer Funktion als Multiplikator.

Herausforderungen & Besonderheitem

  • Anreize zu Bewegung und Entspannung schaffen

  • Soziale und emotionale Kompetenzen fördern

  • Gesunde Ernährung sicherstellen

  • Dialoge mit den Eltern führen, Chancengleichheit beachten

  • Medizinische Vorsorge unterstützen

  • Erstes Heranführen zu Sportvereinen für Bewegung und Spaß je nach Talent und Neigung in Verbindung mit der KITA oder zum Ausgleich in der Freizeit und am Wochenende


 

Schule

Hintergrund und Zielgruppe

Die Lebenswelt der Schule zeichnet sich durch ihre pädagogische als auch berufliche Perspektive aus. Die Schülerinnen und Schüler sind in dieser Lebensphase sozialen, als auch im Bildungsprozess kognitiv und mentalen Herausforderungen gegenübergestellt. Umso größer ist die Bedeutung einer sportlichen und gesundheitsförderlichen Bildungseinrichtung. Ferner ist die Schule Arbeitgeber der Lehrpersonen und weiterer Angestellter und somit mit Blickwinkel der betrieblichen Lebenswelt zu betrachten. Insbesondere der hohe Kommunikations- als auch Organisationsaufwand zeichnet sich neben psychischen Belastungen der Lehrkräfte in dieser Lebenswelt als charakterisierend aus. Natürlich differieren die Herausforderungen und entsprechende Umsetzungsmaßnahmen zwischen den Schulformen – von der Grundschule über die weiterführenden Schulen bis zum Berufskolleg. 

Herausforderung & Besonderheiten

  • Anreize zu Bewegung und Entspannung schaffen

  • Soziale und emotionale Kompetenzen fördern

  • Gesunde Ernährung sicherstellen

  • Dialoge mit den Eltern führen, Chancengleichheit beachten

  • Medizinische Vorsorge unterstützen

  • Zunehmende Digitalisierung im Bildungsprozess und Sport

  • Aktive Pausen schaffen, Bewegung in den Unterricht integrieren

  • Kooperationen von Schulen und Vereinen mit erster Sichtung von Sportarten, Möglichkeiten und Angeboten im Lebensraum

  • Erste aktive Betätigung im Sportverein und Kennenlernen der eigenen intrinsischen Motivation durch Spaß an der Bewegung


 

Universität

Hintergrund und Zielgruppe

Die Lebenswelt der Universität und weiterer Bildungseinrichtungen zeichnet sich gleichermaßen durch ihren Lern- und Forschungscharakter aus. Aus Perspektive der Forschung und Lehre zeigt sich eine Analogie als betriebliche Lebenswelt. Neben dem Lehr- und Forschungspersonal einer Hochschule sind die oftmals weit über tausenden Studierenden ein wichtiger Teil jeder universitären Einrichtung. Neben den mentalen Herausforderungen des Studiums, durch Leistungsanforderungen, hohem Zeitaufwand, sind Studierende in dieser Lebensphase häufig zum ersten Mal in einer eigenständigen Lebenssituation auf sich allein gestellt. Nicht wenige müssen zur Sicherstellung der Finanzierung neben dem Studium noch arbeiten oder auch ein neues soziales Netzwerk aufzubauen. Demnach gilt es Rahmenbedingungen für einen guten Sport- und Bewegungsprozess zu ermöglichen, die nicht nur gesundheitsförderliche und insbesondere ergonomische, sondern ebenso psychologische Aspekte mitberücksichtigen. Durch die unterschiedlichen Bedürfnisse und Belange der verschiedenen Akteure ist es wichtig, hier hybride Sportangebote und vor allem den Sport in Communities sinnvoll zu unterstützen.

Herausforderungen & Besonderheitem

  • Herausfordernde Lebenssituation der Studierendenschaft

  • Vielfalt der kulturellen Herkunft der Studierendenschaft berücksichtigen

  • Preislich attraktive Lernangebote schaffen, die in den Lebensalltag und Lifestyle passen

  • Strukturen für Sport, Bewegungsangebote und gesunde Ernährung sicherstellen

  • Kooperationen von Hochschuleinrichtungen und Sportvereinen fördern


 

Betrieb & Arbeit

Hintergrund und Zielgruppe

Unternehmen stehen heute vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Immer wieder ist von Fachkräftemangel, Digitalisierung oder demografischen Wandel die Rede. Psychische Erkrankungen (Stichwort „Burnout“) sind nicht nur allgemein, sondern auch in den Arbeitsunfähigkeitsstatistiken nach oben gegangen. Häufig unbeachtet bleibt dabei die Betriebliche Gesundheitsförderung, dabei hat diese bei 45,3 Millionen Beschäftigten eine enorme gesellschaftliche Bedeutung und wird explizit in §20b SGB V behandelt. Im Gegensatz zu den anderen Lebenswelten ergeben sich in der betrieblichen Lebenswelt arbeitsschutzrechtliche Pflichten des Arbeitgebers. Darüber hinaus gilt es einhergehende Strukturen und Prozesse gesundheitsförderlich auszurichten und im Sinne des Empowerments, die Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden zu fördern. Häufig bietet es sich an, in diesen Prozessen außerbetriebliche Unterstützung und Finanzierung durch gesetzliche Krankenkassen heranzuziehen (auf Grundlage §20b SGB V). Mitarbeiter der neuen Generation fordern zumeist eine (finanzielle) Unterstützung oder Freizeitausgleich (Worktime-Lifetime-Balance) Ihres Arbeitgebers zum Schutz der Gesundheit und der Unterstützung bei Sport- und Freizeitangeboten.  

Herausforderung & Besonderheiten

  • Demografischer und digitaler Wandel („VUCA-Welt“)

  • Wettbewerbsrelevantes Image als „Gesunder Arbeitgeber“ (im Sinne eines Employer Brand)

  • ​Entwicklung einer gesunden Unternehmens- und Führungskultur

  • Einhaltung arbeitsschutzrechtlicher Vorgaben

  • Verknüpfung von gesetzlichen Verpflichtungen mit der Betrieblichen Gesundheitsförderung

  • Sicherstellung gesunder Verpflegung und Bewegungsmöglichkeiten

  • Sicherstellung der Förderung von Stressresilienz und Entspannungsfähigkeit

  • Altersgerechte Gesundheitsförderung, um Belegschaft möglichst lange im Erwerbsleben zu halten, Frühverrentung vermeiden

  • Zunehmende Bedeutung von Vereinbarkeit von Beruf und Familie, flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance